Café Connection

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An meinen "Freund" Heroin

Lieber Freund,

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als ich Dich vor vielen Jahren kennenlernte, da war ich fasziniert.
Du hattest so viele Facetten und botest mir neue traumhafte Möglichkeiten.
Du warst dabei, als ich ganz alleine erwachsen wurde.
Mit Dir konnte ich Schlösser bauen, die bis zum Himmel reichten.
Manchmal hast Du mir wehgetan, aber damit konnte ich leben.
Irgendwann in den letzten Jahren, als ich einen richtigen Freund brauchte, da fingst Du an,  mir Rechnungen zu stellen.
Da hieß es auf einmal, gut,ich kann da und dort hingehen, aber ich mußte Dich mitnehmen.
Du wurdest immer aufdringlicher.
Du musstest dabei sein wenn ich Geburtstag feierte oder Silvester. Ich durfte ohne Dich nicht mehr lesen, lieben, lachen oder wenigstens nachdenken.
Du fingst an, in meinen Beziehungen mitzumischen, sogar meinen Schlaf hast du mitbestimmt.
Wenn wir zwei Streit hatten, dann hast Du Dich für ein paar Stunden verdrückt.
Abends standest Du wieder da, mit einem lieben Lächeln im Gesicht, legtest schützend den Arm auf meine Schultern, und Deine Liebeserklärung war kurz und prägnant.
Sie lautete: "Hole Deine Spritze, Tina."
Jetzt sind mir Deine Rechnungen zu teuer.
Ich sehe, ich habe Dich zu nah an mich herangelassen.
Doch eines weiß ich genau, Du wirst ohne mich weiterleben, so wie ich lernen werde, ohne Dich weiterzuleben.
Sei nicht traurig, wir sehen uns bestimmt wieder.
Dann lächeln wir uns zu, grüßen freundlich, und jeder geht weiter seinen eigenen Weg.

                                                             Gruß Tina 
 
(Text von einer Klientin des Café Connection. Der Name wurde geändert.)

 

Auch diesen Brief der uns erreicht hat, durften wir mit dem Einverständnis des Verfassers veröffentlichen:
 

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